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Naturverbundene Zeiten

Naturverbundene Zeiten -dies habe ich am Anfang als Ziel gewählt, als ich 1984 anfing, mich für Uhren zu interessieren.

Von Anfang an gefielen mir nur die alten Uhren von den Zeiten, in denen noch kein Kunststoff, Aluminium, rostfreier Stahl
usw. gab, nur Materialien, die von der Erde kamen und auch dort ihr Ende finden konnten, wenn sie zerbrachen. Sonst war eine Uhr für die Ewigkeit geschaffen! Und diese Idee gefiel mir sehr.

Damals war noch von Nachhaltigkeit keine Rede! Wenn eine Uhr oder ein Gegenstand schön ist und auch in Jahrhunderten schön bleiben kann, warum dann wegwerfen? Können Sie sich dies mit einer Plastik-Uhr oder einer Uhr aus Karton vorstellen?

Die Wiege der Großuhrenindustrie liegt im Schwarzwald. Die deutschen mechanischen Uhrwerken, Schwarzwalduhren und Jahresuhren haben eine ganze Industrie aus der Kargheit der Berge, aus der Not, aus der Materialarmut wachsen lassen. Ohne die schwarzwälder Uhrmacher gäbe es keine Uhren, außer den Sonnenuhren, 

Uhrenhändler im Schwarzwald, damals…

Und ohne die schwarzwälder Uhrenhändler, die die Uhren an ihren Rücken tragend als laufende „Werbung“ bekannt machten wäre kein Uhrenhandel in Deutschland entstanden.

Ich komme aus Ungarn, wo Keramik- Porzellan und Kristallgegenstände noch aus der Zeit der Österreich-Ungarischen Monarchie, teils durch Nachahmung der Produkte der damals berühmten Porzellanfabriken wie Meissen, Sèvres, Capodimonte und Wiener Porzellanmanufakturen, teils durch originelle Ungarischen Motiven entwickelt wurden sind.

Herend, Zsolnay, Hollohaza, Kalocsa, Sarospatak waren und sind noch heute berühmte Porzellan- und Keramikfabriken in Ungarn. Herend hat schon 1851 an der Londoner Weltausstellung mit seinen feinen Porzellanerzeugnissen große Anerkennung erworben.

I
hr Erfolg wurde im wahrsten Sinne“gekrönt“ als Queen Viktoria Tafelservicen bestellte. Die handbemalten Schmetterlinge und Blumen gehören noch heute unter dem Markennamen „Queen Victoria“ zu den meistbeliebtesten Porzellanerzeugnisse von Herend.

Moriz Fischer (wie man dem Namen nach erahnt, ein Deutscher), der Gründer der Herender Porzellanfabrik, hat auch von den damals in Europa in Mode gekommenen chinesischen und japanischen Porzellan-Ziergegenständen,  bekannt als „chinoiserie“, geschöpft,  wie man bei der Betrachtung des „Queen Victoria“  Dekor  (siehe Foto) erahnen kann.


Mich faszinierte die Idee, Deutsche Uhrwerke mit Ungarischen Tonerzeugnissen aus Mutter Erde zu kombinieren, damit meine beiden Heimaten (ich bin Donnauschwäbin) sich einander ergänzend, einander bereichernd, eine früher noch nicht existierende Symbiose in neuen Produkten ergeben. Der deutsche Herr Kugler, Uhrmacher, Keramikfabrikleiter und Designer hat alle unsere Keramik Küchenuhren konzipiert. Er  flog 1985 nach Budapest. Ich habe ihn zur Keramikmanufaktur in Ostungarn gefahren, 3 Tage lang hat er die Techniker und Mitarbeiterinnen eingeschult, gezeigt, wie man heutzutage moderne Fertigungsmethoden für die Keramikuhren anwendet und worauf die in Herend ausgebildeten Handmalerinnen aufpassen müssen. Deutsche Geschmäcker, Farben, Tradition – alles wurde durch ihn übergeben. Davon lebt die Manufaktur noch heute! Leider ist Herr Kugler schon seit Jahren tot. In seinen letzten Jahren hat er anstatt Uhren, Keramik für Kachelöfen nach eigenen Zeichnungen fertigen lassen. Mit dieser Tat hatte er das ganze Know-how  gerettet. Er wäre sicherlich glücklick, hätte er erleben können, dass alles was er vermittelt hat und die dadurch entstandene traditionelle deutsche Keramikuhr-Fertigung, weiterlebt.

Resultat:

Unsere Keramik Küchenuhren sind nach den Designs von Herrn Kugler konzipiert. Die Formen, die Farben und Dekoren sind durch ihn abgestimmt worden. Diese Tradition führen wir weiter. Inzwischen ist die Uhrenindustrie im Schwarzwald verschwunden. Es gibt keine Betriebe mehr, die Großuhren herstellen. Nur die Kuckucksuhren sind als Touristenattraktion geblieben. Viele deutsche Uhrenfabriken sind wegen deren Namen und Bekanntheit von Chinesen aufgekauft worden. Sie produzieren in China Uhren, aber keine Keramik- oder Porzellanuhren. Zum Glück haben wir noch ein paar „alten Mohikaner“ – z.B. der Zeigerhersteller Familienbetrieb Karl Schär, oder die Glaslünetten aufgrund deutschen Lizenzen herstellenden Familie Lehmann und am wichtigsten die Fabrik UTS, der Nachfolger der Vereinigten Deutschen Uhrwerkenfabriken, heute UTS UHREN TECHNIK SCHWARZWALD genannt, die noch immer, nach einem halben Jahrhundert, die Junghans Uhrwerke mit den originalen Junghans Fertigungslinie fertigt. Wären diesen „3 Säulen“ der Keramikuhren nicht mehr durch Deutschen Produzenten gefertigt, könnten wir keine Keramikuhren mehr komplettieren.

Wir haben zu unserer Kollektion noch viele schöne Porzellanuhren aus dem Schwarzwald aufgenommen, die wir früher für die Deutschen Firmen produziert haben. Alle werden nach alten Traditionen neu hergestellt und dadurch können, trotz Chinesen, Konkursen und Betriebsauslösungen im Schwarzwald die deutschen Formen und Dekoren am Leben gehalten werden.